Klimaschutz als Klassenkampf: Mittelschicht instrumentalisiert sozial Schwache - freitag.de

Im "Der Freitag" hat Matthias Schmelzer gemeinsam mit Dennis Eversberg von der Uni Frankfurt analysiert, warum Klimapolitik in diesem Wahlkampf kaum eine Rolle spielt und was das mit Klasse zu tun hat.

Der Artikel argumentiert, dass die soziale Ungleichheit beim Klimaschutz instrumentalisiert wird, weil Wohlhabende nicht gewillt sind, den eigenen Lebensstil zu ändern: 

Das ist ein Dilemma: Der Klimawandel wird immer spürbarer, Klimapolitik spielt in diesem Wahlkampf aber kaum eine Rolle. Zwar zeigt sich in Umfragen eine große Mehrheit des Wahlvolks besorgt, doch Themen wie Migration, Lebenshaltungskosten und die Angst vor einer Deindustrialisierung dominieren. Was ist passiert? Warum haben sich gesellschaftliche Prioritäten innerhalb weniger Jahre so verschoben? Und vor allem: Wie ließe sich dem etwas entgegensetzen?

Eine Standardantwort lautet: Die Fürsprecher:innen einer ambitionierten Klimapolitik in und jenseits der Regierung hätten "die soziale Frage" vergessen. Ohne Sinn für "Maß und Mitte" bürdeten sie den weniger Wohlhabenden übermäßige Lasten auf. Aus der Sicht unserer Forschung zu den sozial-ökologischen Mentalitäten der Bevölkerung ist das zwar nicht falsch, die Fixierung der Debatte darauf verdeckt aber etwas für die jetzige Lage entscheidendes. Denn der Widerstand gegen den Klimaschutz wuchs zuletzt nicht bei jenen, die sozial am stärksten benachteiligt sind. Die entscheidende Verschiebung hat sich seit dem Ende der Merkel-Ära vielmehr in den materiell wohlhabenden Mittel- und Oberschichten abgespielt: Diese sehen durch die notwendigen Maßnahmen ihre gewohnte Lebensweise bedroht.

Unsere Forschung weist – vereinfacht – eine Dreiteilung der Bevölkerung auf….

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